• Biedermann und die Brandstifter

Biedermann und die Brandstifter

  • Das Stück

    „Biedermann und die Brandstifter“ ist ein Drama des Schweizer Schriftstellers Max Frisch. Es handelt von einem Bürger namens Biedermann, der zwei Brandstifter in sein Haus aufnimmt, obwohl sie von Anfang an erkennen lassen, dass sie es anzünden werden.

    Der wohlhabende Fabrikant Gottlieb Biedermann liest von den neuesten Brandstiftungen und echauffiert sich über die Täter. Die Vorgehensweise ist stets dieselbe: Getarnt als harmlose Hausierer nisten sie sich in dem Haus ein, das sie später niederbrennen. Da kündet das Dienstmädchen Besuch an: den Hausierer Schmitz. Er klagt, dass er stets für einen Brandstifter gehalten werde, und appelliert an Biedermanns Menschlichkeit. Biedermann gefällt sich in der Rolle des Menschenfreunds und lässt ihn auf dem Dachboden nächtigen…

  • Der Autor

    Max Rudolf Frisch (* 15. Mai 1911 in Zürich; † 4. April 1991 ebenda) war ein Schweizer Schriftsteller und Architekt.

    Nach einem abgebrochenen Germanistikstudium wechselte er zur Architektur und arbeitete viele Jahre als Architekt. Erst nach dem Erfolg des Romans „Stiller“ widmete er sich vollständig der Literatur.

    Neben den Theaterstücken „Andorra“ und „Biedermann und die Brandstifter“ erreichte er mit seinen drei Romanen „Stiller“, „Homo Faber“ und „Mein Name sei Gantenbein“ ein großes Publikum.

  • Aufführungsrechte

    Suhrkamp Verlag AG

  • Mitwirkende

    Regie / Dramaturgie Anschi Prott
    Regieassistenz Markus Kastner
    Luis Haas
    Bühnenbild Lucas Groß
    Kostüme Claudia Emmert
    Lucas Groß
    Licht / Technik Markus Kastner
    Video Lucas Groß
    Andreas Prott
    Pressefoto / Flyer / Plakat Andreas Prott
  • Aufführungstermine

    Gastspiel im Juni 2018:

    Mittwoch, 6. Juni 2018, 20:00
    Bürgerhaus Unterföhring
    Münchener Str. 70
    85774 Unterföhring
    VVK: T. 089 950 81 -506 oder Online
  • Pressestimmen

    Münchner Merkur, 14. März 2015

    Voller Angst und Trägheit

    Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ in der Blauen Maus

    „Ich will doch nur meine Ruhe und meinen Frieden haben!“ kreischt angstverzerrt Gottlieb Biedermann, während Schmitz und Eisenring dabei sind, sein Haus anzuzünden. Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ (1954), damals allzu verständlich als Parabel auf das nationalsozialistische Mitläufertum gedeutet, ist im Grunde ein Klassiker über ein große menschliche Schwäche: aus Selbstsucht, Angst und Trägheit einer Gefahr nicht entgegenzutreten.

    Wie ein Warnsignal flackerte Anschi Protts stringent-grelle Inszenierung über die Bühne des Münchner Theaters Blaue Maus. Eine Burleske eben nur bitterböse grundiert und von den Darstellern – heutig gekleidet, aber mit weißer Schminke – gestochen gespielt. Sprache und marionettenhafte Bewegungen, beides streng rhythmisiert, übersetzen unmittelbar den gemeinten Typ: Sylvia Haas ist eine puppig-beschränkte, doch scharf kalkulierende Biedermann-Gattin, Olaf Gottschalks Biedermann ein gegen andere mitleidloser, die eigene Panik schrill weglachender Angst-Bürger und Şahika Tetik als Dienstmädchen die Wut-Mut-Bürgerin. Katharina Laskowsky gibt ihren Eisenring kühl. Und Nebojša Pajić-Pajo als Ringer Schmitz schlängelt einen hinreißenden Mephisto-Gangster-Verschnitt zwischen Frühstücks-Ei und bedrohlich aufgestapelte Benzin-Fässer. Es wird alles erzählt von Schmitzens erster Einnistung im behaglichen Heim der Biedermanns über deren Abschüttelungs- und Anpassungsversuche an die Verbrecher-Brut. Prott, Chefin des noch jungen tim-Theaters, agiert selbst als distanzierter Kommentator – was der anwesenden Schulklasse sicher das Verständnis erleichterte. Schüler und alle anderen: Auf zum tim! MALVE GRADINGER

    Süddeutsche Zeitung, 11. März 2015

    Feuer am Dach

    Das Theater Blaue Maus zeigt „Biedermann und die Brandstifter“

    München – „Hören Sie auf mit diesem Defätismus!“, brüllt Gottlieb Biedermann (Olaf Gottschalk) ins Publikum. Meint er sich selbst oder uns alle? Die Ähnlichkeit ist frappierend: Biedermann – jedermann. Der Hausierer Schmitz steht vor Biedermanns Tür. Dieser will Güte beweisen und lässt Schmitz mit seiner Komplizin ins Haus. Trotz der Ahnung, die ihn und seine Frau beschleicht, verschließen beide die Augen vor der Wahrheit: Ihre Gäste sind Brandstifter und planen, ihr Haus anzuzünden. Nachdem die Bösewichte in aller Seelenruhe Benzinkanister ins Haus geschleppt haben, versammeln sich alle vier noch einmal zum grotesken Abendmahl.

    Die Inszenierung ist das Initiationsprogrojekt der Gruppe „tim – Theater ist mehr“ um die Regisseurin Anschi Prott, die selbst als „Verfasser“ auf die Bühne tritt, eine Figur, die Max Frisch schon 1953 in sein Hörspiel eingefügt hatte, bevor das Bühnenstück entstand. Sie tritt in Konversation mit der Hauptfigur: „Vergessen Sie nicht, dass ich Sie erfunden habe!“ und warnt den armen Mann vor der tiefen Grube, die er sich in seiner blinden Kleinkariertheit gräbt: Es soll bloß keiner schlecht über ihn denken oder ihn gar für mitschuldig erklären. Feige? Ja, aber auch irgendwie verlockend einfach. „Ich habe nie gelogen. Falls ich es tat, habe ich es nicht gemerkt“, rechtfertigt sich Biedermann.

    Die Souveränität der Darsteller, bis tief ins Clowneske und Klaumaukige hinein, hält den Abend lebendig. Das Dienstmädchen Anna, anrührend verkörpert von Şahika Tetik, entpuppt sich als die spannendste Figur. Sie blickt als einzige hinter die Lügenfassade, und das mit sehr viel Charme. Der Brandstifter (Nebojša Pajić-Pajo), vielversprechend mit dem Kolorit einer gewieften Zwielichtigkeit gestartet, versandet im Bild des haarigen Hartz IV-Empfängers mit Wampe und Muskelshirt.
    Die von Prott kabaretthaft inszenierte Parabel auf die feige Bequemlichkeit unserer Zeit erzählt vom unaufhaltsamen Voranschreiben einer Apokalpyse der biedermeierlichen Welt. Max Frisch nannte sein Stück „Lehrstück ohne Lehre“. In Protts Inszenierung ist die Lehre allerdings nicht mehr zu übersehen: Sei nicht Biedermann, steh zu deinen Werten. EKATERINA KEL

  • Schülerstimmen

    „Biedermann und die Brandstifter“ ist meiner Meinung nach ein durchaus schwer zu inszenierendes Stück, das aber von Anschi Prott sehr gut umgesetzt wurde. Mit hat besonders gut gefallen, dass nur sehr wenige Requisiten auf der Bühne waren und so der schauspielerische Anspruch gesteigert wurde. […] Mir hat der Chor etwas gefehlt, da Anna meiner Meinung nach als Ersatz die Funktion des Chores nicht voll umsetzen kann. Insgesamt war es eine sehr gelungene Inszenierung, die klare Schwerpunkte auf die Aussage des Stückes als „Lehrstück ohne Lehre“ setzt.
    (Felix, 15 Jahre)

    […] Dadurch, dass der Chor durch den Verfasser ersetzt wurde, wurde das Publikum gut ins Stück einbezogen. Der Verfasser hat als Antagonist von Schmitz und Eisenring durchaus gut mit Biedermann konversiert. Sehr gut hat mir außerdem der Dank der Schauspieler ans Publikum gefallen.
    (Schüler, 15 Jahre)

    […] Ich fand es sehr gut, dass der Chor durch eine einzelne Person ersetzt wurde – das hat das Stück verändert. In dem Buch kam es so rüber, dass Herr Biedermann den Chor nicht hören kann, aber in dem Theater hat Biedermann sogar mit der Person des Verfassers gesprochen. Ich habe mir einige Stellen ganz anders vorgestellt, aber nachdem ich das Stück gesehen habe, würde ich es genau so lassen und nichts verändern.
    (Julia, 14 Jahre)

    […] Das Stück war vor allem gut inszeniert, viele überraschende Momente und Wendungen sorgten für durchgehende Spannung und haben sogar uns, einen Haufen lauter Jugendlicher, zum Nachdenken angeregt und während der Vorstellung ruhig und interessiert auf den Plätzen gehalten, da der Humor sogar unsere Altersklasse sehr gut getroffen hat. Ich glaube, ich spreche nicht nur für mich, wenn ich dieses Stück jeder Person einwandfrei empfehlen kann.
    (Erik, 15 Jahre)

    Der Inszenierung von Anschi Prott muss ich große Bewunderung aussprechen. Besonders die Aufteilung der Bühne im Zusammenspiel mit den Lichteffekten und den Kostümen spiegelte die Groteske beeindruckend wider. Das schauspielerische Niveau war sehr hoch. […] Fasziniert hat mich besonders die Rolle der Anna, wobei mich ihr Verhalten zunächst sehr verwirrt hat, da sie sich komplett entgegengesetzt zu der im Buch zugedachten Rolle verhielt. Dennoch bin ich der Meinung, dass man ohne die Auseinandersetzung mit dem Buch im Unterricht den tiefgründigen Hintergrund nicht erkannt hätte. […]
    (Schülerin, 14 Jahre)

    „Liebe Frau Prott, herzlichen Dank für die professionelle und ideenreiche Aufbereitung des Workshops! Uns hat es sehr viel Spaß gemacht, durch Sie einen anderen Zugang zu ‚Biedermann und die Brandstifter‘ zu gewinnen.“ Klasse 9 b Geretsried

    Hier ein Artikel zur theaterpädagogischen Kooperation mit dem Gymnasium Kirchseeon

  • Videos

    Unser Trailer:

    Teil 1 unserer Teaser-Serie:

    Teil 2:

    Teil 3:

    Teil 4: